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Schönes Ostergedicht, ein Lied sowie weitere Gedichte von der deutschen sozialkritischen Schriftstellerin Louise Otte. Schöne Reime und Verse zur Oster- und Frühlingszeit, sowie Geschenk und Bücher-Tipps.

Epilog

Hab' manches Lied in dunkler Nacht gesungen,
Wenn heisse Glut durchlodert mein Gehirn,
Bis meiner Harfe Saiten schrill zersprungen
Und kalte Tropfen nässten meine Stirn,
Indes die Wangen wie im Fieber brannten
Und alle Pulse zuckend sich bewegt,
Wenn alle Lichter, alle Sterne schwanden,
Die sonst der Himmel für die Menschheit trägt.
Wenn alles sich in tiefes Dunkel hüllte,
Das eig'ne Leben und das Weltgeschick' -
Dann schrie ich auf im Weh, das mich erfüllte,
Und von dem Schreie blieb ein Lied zurück,
Ein Lied, das trotzig bald mit lautem Toben
Wie Nachtgevögel Unheil kündend lärmte.
Bald wie ein nächt'ger Falter, schwarz durchwoben
Um einen Funken todesmutig schwärmte.
Um einen Funken jener Hoffnungssterne,
Die oft verbleichen in der nächt'gen Ferne.

Hab' manches Lied am hellen Tag gesungen
Bei lauter Sonnengold und Morgenrot,
Hab' mich zum Himmel jubelnd aufgeschwungen,
Der blau und lächelnd frohen Gruss mir bot.
Hab' unverzagt, wenn Wolken auch gewettert
In gläubig frommer, heilger Zuversicht,
So wie die Lerchen keck hervorgeschmettert
Ein stolzes Lied, ein fröhliches Gedicht;
Und sah ich Blitze auch herniedergleiten
Zerstörend was die Freiheit aufgebaut,
Sah ich die Not, das Irrsal dieser Zeiten,
Ein Anblick wohl, vor dem es jeden graut:!
Ich fühlte Kraft mit einer Welt zu streiten
Und meinen Glauben - ich bekannt ihn laut:
Die Freiheit kennt kein Enden, kein Vergeh'n,
Es muss ein Tag mit ros'gem Lichte kommen,
Da wird der Stein von ihrem Grab genommen,
Da wird sie schön und glorreich auferstehn.

Da steh' ich nun mit diesen Liedern allen
Und lass sie klingen in die Welt hinaus,
Sie sind ja dieser Zeiten Widerhallen!
Die Gegenwart, sie ist ihr grosses Haus;
Drinn sind sie alle ja geboren worden,
Es steht die Freiheit an des Hauses Pforten -
Die diesen Liedern Seele einst gegeben,
Sie treibt sie jetzt auch in das rasche Leben.
Drum sprecht nur nicht: "was sollen diese Klänge?
Es ist kein Genius, der sie uns weiht,
Es hat das Heute schon genug Gesänge,
Du ringst vergeblich nach Unsterblichkeit."
Und fragt nur nicht: "Warum dies Freiheitssingen,
Warum dies Träumen von der künft'gen Zeit?
Warum dies trotzge, kühne Schwerterschwingen,
Dies Siegsgeschrei von künftger Herrlichkeit?" -
Warum? müsst Ihr denn auch im Lenze fragen:
Warum das Grün Euch grüsst mit Hoffnungsgruss,
Warum die Vögel Jubelwirbel schlagen?
Das tut das Grün, das Vöglein, - weil es muss.

So ist mein Los, so ist mein Lied erkoren,
Wie Osterglocken klingt es durch mein Leben,
Beim Frühlingsanfang ward ich ja geboren,
's war Ostern, als dem Dasein ich gegeben.
Drum lass ich nimmer mir die Hoffnung rauben
Und halte fest im Lieben und im Glauben,
Die Freiheit kennt kein Sterben, kein Vergehn:
Es muss ein Tag in lichter Klarheit kommen,
Da wird der Stein von ihrem Grab genommen,
Da wird sie schön und glorreich auferstehn.
Und diesen Glauben allem Volk zu künden
Will ich als Boten diese Lieder senden.
Sie mögen selbst sich eine Freistatt gründen
Ich streu sie aus mit hocherhobnen Händen.
Sie sind ja nichts als jene Frühlingssprossen
Die mitten unter Sturm und Schneeesflocken,
Von Tränen wie vom Regen übergossen
Doch Frühling künden, mit den Osterglocken
Das Fest der Auferstehung einzuläuten
Und allem Volk das hohe Wort zu deuten:
Der Gott der Liebe ist vom Grab erstanden,
Das Reich des Wahn's des Hasses wird zu Schanden
!







So wirds geschehn. - Es wird ein Tag erscheinen
Wo alle Völker frei und stolz sich heben,
Zu gleichem Ruf, zu gleichem Tun sich einen:
Sei jedem Volk sein heilig Recht gegeben,
Das Recht der Sprache und der heimschen Sitten
Wie sie die Weltgeschichte jeden lehrt
Nichts Fremdes sei im Vaterland gelitten
Doch auch kein Tun, das nicht die Menschheit ehrt.
Ein heilig Erbteil von Natur empfangen
Sei jeglichem die eigne Nation:
Wohl mögen herrlich ihre Säulen prangen!
Doch hat die Menschheit einen höhern Thron
Vor diesen Thron solln sich die Völker neigen
Als Brüder, Schwestern sich die Hände reichen.
Das ist der Menschheit neu errungnes Eden,
Das Reich des Herrn, um das wir täglich beten.

Ich weiss' nicht werd ich diesen Tag erleben,
Wo zu der Liebe kehrt sich jeder Sinn,
Wo sich ihr Reich alleinig wird erheben,
Doch fühl ich mich als dessen Bürgerin.
Dem Reich der Liebe will ich Bürger werben,
Als Priesterin ihm leben und ihm sterben!

(Louise Otto, 1819-1895, deutsche Schriftstellerin)

aus: Mein Lebensgang, Epilog der Lieder eines deutschen Mädchens. 1847.

> Louise Otto, Leben und Werke



Erwachen

Der Frühling ist gekommen
Nach langer Winterszeit,
Das Eis ist fortgeschwommen,
Kein Weg ist mehr verschneit.

Die Lerchen singend schweben
Ob frisch ergrünter Flur,
Ringsum ein blühend Leben
Und neuen Schaffens Spur.

Ich weiß nicht was geschehen
In meiner eignen Brust?
Nie konnt ich so verstehen
Des Werdens ganze Lust.

Ein jubelndes Entzücken
Mich immer mehr erfüllt:
Was Glück ist – was Beglücken
Das wird mir jetzt enthüllt.

Die Liebe ist gekommen
Mit aller ihrer Macht!
Ihr Weckruf ward vernommen
Wie ich es nie gedacht.

Und aller Vöglein Lieder
Sie tönen in mir auch
Und Alles klinget wieder
Wie Offenbarungshauch.

(Louise Otto, 1819-1895, deutsche Schriftstellerin)




Nachklang

Das Buch ist aus, - bald auch mein Lebensgang,
Von dem es kündet als ein Echotönen,
Weil alles zu begleiten mit Gesang
Von je mir war erhebendes Gewöhnen.
Und so hab ich von meinem ganzen Leben
Ein treu bewahrtes Abbild hier gegeben.

Und allen geb' ich's, allen sei's geweiht,
Die gern empor sich aus dem Staube ringen,
Und allen gilt's - aus alt' und neuer Zeit -
Den Gruß von fünf Jahrzehnten darzubringen,
In denen ich gestrebt, gekämpft, gesungen
Und unentwegt nach hohem Ziel gerungen.

So sei zuerst Erinnerungsgruß gebracht
Euch, die mit mir verbunden als Genossen,
Da allgemach das deutsche Volk erwacht,
Sich seinem Dienst zu weihen froh entschlossen!
Am Freiheitsaltar in Begeist'rungsflammen
Klang Schwur und Lied in stolzem Klang zusammen.

So grüß' ich alle, die - ob fern, ob nah -
Den höchsten Idealen treu geblieben
Und wandellos, was Schlimmes auch geschah,
Das Volk, das Vaterland, die Menschheit lieben;
So grüß' ich alle Männer, alle Frauen,
Die an der Zukunft Friedenstempel bauen.

So grüß' ich alle Frauen nah und fern,
Die mutig wandeln auf den neuen Bahnen,
Die uns gezeigt der neuen Hoffnung Stern,
Den wir erschauen mit prophet'schem Ahnen!
Wollt so für mich ein freundliches Gedenken
Nun diesem Buch und meinem Leben schenken.

(Louise Otto, 1819-1895, deutsche Schriftstellerin)


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