Das Herz hat auch sein Ostern,
wo der Stein vom Grabe springt.

(Emanuel Geibel)

Ostern

Der Tod ist für immer besiegt

Texte - Gedanken - Gedichte

Sterben Werden Auferstehen

Wunder und Geheimnisse haben uns schon immer fasziniert und Märchen. Was Ostern wirklich bedeutet, braucht mehr als eine Internetseite und auch dann, könnte ich ihm nie gerecht werden.

Was micht an Ostern begeistert, ist das Thema Tod und Leben, hinter sich lassen und neu anfangen, vielleicht auch unten sein und wieder aufstehen, im Dunkeln sein und ans Licht kommen... . So wie die Jahreszeiten es uns immer wieder offenbaren. Im Besonderen der Frühling mit Tag und Nachtgleiche, mit dem Aufbrechen von neuen Knospen, von neuem Leben.

Der Winter mit seinen dunklen Tagen ist vorbei, wir gleiten hin zum Licht des Frühlings, der Milde, der hellen leuchtenden Farben der Blumen, des Wachstums. Vorbei sind Kälte und Frost und Erstarrung. Die ersten Sonnenstrahlen wecken alles mögliche. Wir werden lebendig.

Im übertragenen Sinn, wir stehen auf und werden aktiv. Man braucht sich nur mal an einem ersten milden Frühlingstag in ein Café zu setzen, um die Leute zu beobachten. Und geht es uns nicht auch so? Wir haben Lust auf neue Kleider, auf Spaziergänge, Sport, Unternehmungen, auf neue Begegnungen und neue Geschäfte, auf Lebendigkeit. Wir könnten die ganze Welt umarmen, so schiesst die Energie durch alle Adern.

Der Winter soll und darf dem Rückzug dienen. Wie könnten wir sonst den Frühling wahrnehmen, die Aufbruchstimmung fühlen und selber Teil dieses Aufbruchs werden?

Wer schon einmal eine schwere Krankheit, einen Schicksalsschlag durchlitten hat, kann sich diesen Weg zur Auferstehung noch besser vorstellen. Krankheit heisst Rückzug, Dunkelheit, Isolation. Dieser Raum ist eng. Aber nicht nur, er schenkt uns auch Zeit für uns selber und öffnet uns neue Sichtweisen. Aus jeder Krankheit gehen wir mehr oder weniger gereifter hervor, bewusster. Und wurde nicht so mancher Weg danach ein ganz anderer, ein neuer?

Ostern heisst für mich nicht den Tod besiegen, sondern ihn annehmen. Auch in der Vergänglichkeit ist Leben, auch in der Dunkelheit ist Licht, wenn wir sie denn als etwas Kostbares annehmen können. Wenn wir ihren Weg als Wegweiser und nicht als etwas, das bekämpft werden muss, entdecken, schaffen wir Leben neu.

(© Monika Minder, 22. März 2019)

Z I T A T
Ostern ist jedes Jahr wieder neu, ein Anfang, den jeder nur allein wagen - oder mit Hasen und bunten Eiern verschlafen kann.

(© Roswitha Quadflieg, 1949, Zürich, Schriftstellerin, Künstlerin)

Quelle: welt.de; Zitat hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Roswitha Quadflieg

Die Blume an den Frühling

Seine Stimme ist eine tiefe Macht!
Sein Blick ist weich wie die Frühlingsnacht . . .
Sein Mund, der blutrot blüht,
Hat in meinen Tod geglüht:
Da bin ich auferstanden
Ans frohe Licht! . .

(Elsa Asenijeff, 1867-1941, österreichische Schriftstellerin)

G E D A N K E N
Christi Passionszeit beginnt nicht erst in der Leidenswoche, sondern mit dem ersten Tage seiner Predigt. Sein Verzicht auf das Reich als ein Reich dieser Welt ist nicht erst in Golgatha, sondern von Anfang an vollbracht. Und diesen Gedanken soll unsere Erzählung Ausdruck geben (Lukas 4, 5-8). Jesus hätte Herr der Welt sein können. Er hätte als der erträumte Messias der Juden Israel befreien und zu Ruhm und Ehre führen können. Ein merkwürdiger Mann, dem noch vor Beginn seines Wirkens die Herrschaft über die Welt angeboten wird. Und noch merkwürdiger dadurch, daß er dieses Angebot ausschlägt. … Er weiß, daß er für diese Herrschaft einen Preis zahlen muß, der ihm zu hoch ist. Es geht auf Kosten seines Gehorsams gegen Gottes Willen. … Er bleibt der freie Sohn Gottes und erkennt den Teufel, der ihn knechten will. »Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen«. Jesus weiß, was das heißt. Es heißt Niedrigkeit, Schmähung, Verfolgung, heißt unverstanden bleiben, heißt Haß, Tod, Kreuz. Und er wählt diesen Weg von Anfang an. Es ist der Weg des Gehorsams und der Weg der Freiheit. Denn es ist der Weg Gottes. Und darum ist es auch der Weg der Liebe zu den Menschen.

(Dietrich Bonhoeffer, 1909-1945, deutscher Theologe)



Der eine und erste Tag

Denn dieser eine und erste Tag [das ist der Ostersonntag] vollendet, siebenmal versiebenfacht, die sieben Wochen der heiligen fünfzig Tage. Diese Zeit beginnt nämlich mit dem ersten und endigt mit demselben, in der Zwischenzeit sich fünfzigmal in ähnlichen Tagen entfaltend. Durch die Ähnlichkeit ahmt sie die Ewigkeit nach, fängt sie doch in einer Kreisbewegung bei den gleichen Zeiten an, wo sie aufhört. Die Gesetze der Kirche haben uns gelehrt, an diesem Tag die aufrechte Haltung beim Gebet vorzuziehen, sie wollen mit dieser deutlichen Erinnerung unseren Geist gewissermassen aus der Gegenwart in die Zukunft versetzen.

(Basilius der Grosse, eigentlich Basilius von Caesarea, 330-379, Asket, Bischof, Kirchenlehrer)

Z I T A T
In der Welt ist ein Gott begraben, der auferstehen will und allenthalben durchzubrechen sucht, in der Liebe, in jeder edlen Tat.

(Friedrich Hebbel, 1813-1863)

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